100 Jahre Widerständiges Bayern

Hans Well und die Wellbappn spielen bei der „Jetzt gilt’s“ Kundgebung am 3. Oktober auf dem Odeonsplatz und am 6. Oktober bei „Mir ham’s satt“ auf dem Königsplatz. Das Hörspiel „Rotes Bayern“ stellen Hans Well und Gäste am 21. Oktober um 19 Uhr im Literaturhaus vor

Interview von Volker Isfort

AZ vom 01.10.2018

Vor einhundert Jahren beendete der Sozialist Kurt Eisner die Monarchie in Bayern. Die dramatischen Ereignisse rund um die unblutige Revolution und Gründung des modernen Freistaats hat Hans Well zusammen mit Künstlern wie Johanna Bittenbinder, Gisela Schneeberger, Heinz-Josef Braun, Bernhard Butz, Gert Heidenreich und den Wellbappn zu einem höchst informativen und unterhaltsamen musikalisch untermalten Hörspiel bearbeitet („Rotes Bayern“ – erschienen im Hörverlag). Doch Politik ist für Well keine Geschichtsstunde, sondern sein Lebenselixier. Und deswegen ist er in der nächsten Zeit auf vielen Bühnen zu sehen – auch bei zwei Großdemonstrationen.

AZ: Herr Well, was hat Sie dazu bewogen, mit anderen Künstler ein Hörspiel über die bayerische Revolution von 1918 zu machen?
HANS WELL: Zunächst einmal die Tatsache, dass ich in meiner Schulzeit nie etwas davon gehört hatte. So wie ich waren und sind vermutlich noch immer viele Menschen der Meinung, dass der Freistaat vom Ochsensepp, dem Gründer der CSU ausgerufen worden ist und nicht von Kurt Eisner, einem linken Berliner USPDler, der keinesfalls aus dem katholischen Bayern kam. Die CSU trägt diesen Freistaat immer so stolz vor sich her, will aber überhaupt nichts von seiner Entstehung wissen.

Gehört bayerische Geschichte für die CSU nicht zum Heimat- und Traditionsbewusstsein dazu?
Die Monarchie und CSU-Herrschaft schon, der demokratische Gründungsteil offenkundig nicht. Dabei könnte auch die CSU stolz sein auf diese Revolution, weil sie völlig unblutig verlaufen ist und große Errungenschaften hervorgebracht hat wie den Acht-Stunden-Tag, das Frauenwahlrecht und die Republik Bayern.

Wir reden ja nur von einer sehr kurzen Zeit, bis die Revolution blutig niedergeschlagen wurde.
Heinrich Mann hat in seiner Trauerrede bei der Beerdigung Eisners gesagt, dass in den vier Monaten seiner Regierung mehr erreicht wurde als in den 50 Jahren davor. Eisner schaffte es, unterschiedliche soziale Gruppen miteinander zu verbinden, sogar ein Teil des Bürgertums stand anfangs hinter ihm. Was man auch bedenken muss: die Demokratie war Neuland für Bayern, so etwas hatte es ja hier zuvor noch nicht gegeben. Eisner hat versucht, ein Miteinander von Räten und dem Landtag voranzubringen, das war sicherlich klüger als der Konfrontationskurs, den es dann nach seiner Ermordung gegeben hat.

Er hat mit seiner USPD bei den ersten Wahlen nach der Revolution dennoch nur knapp drei Prozent der Stimmen erhalten.
Viele Leute dachten halt, mit der Revolution brechen nach vier Jahren Krieg, Mangel und Not mit der Herrschaft des Volkes sofort bessere Zeiten an. Aber die Versorgungslage in den Städten und auf dem Land war katastrophal. Eisner hatte überhaupt keine Chance, das schnell zu ändern. Im sogenannten Dotschenwinter 1917 waren zehntausende in Bayern verhungert. Aus fast jeder Familie, auch den Bauernhöfen, waren junge Männer an der Front gefallen. Dabei hatte die bayerische Monarchie bei Kriegsausbruch versprochen, dass Elsass-Lothringen ein Teil Bayerns wird und Antwerpen ein bayerischer Hafen.

Die Bayern haben damals eine Revolution gemacht. Aber seit 50 Jahren wählen sie unverändert CSU – trotz Ihrer jahrzehntelangen Arbeit mit Polt, der Biermösl Blosn und jetzt ihren Kindern, den Wellbappn.
Ich versteh’s ja auch nicht! Nein, es wäre verwegen, wenn wir uns anmaßen, dass wir an den Verhältnissen was ändern können. Unsere Chance als Künstler besteht doch vor allem darin, die Leute gut zu unterhalten, auch mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Aber Autoritäten zu verspotten macht uns Spaß und bewirkt ja vielleicht ein bisschen was. Momentan tut sich ja viel Positives und damit mein ich nicht die AfD. Super, dass viele Menschen auf die Straße gehen, um gegen die katastrophale Mietsituation zu protestieren, gegen das neue Polizeiaufgabengesetz und die verrohte Sprache der Politik bezüglich der Flüchtlinge. Oder am 6. Oktober gegen Flächenfraß und für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die WAA ist nach den Bürgerprotesten schließlich auch nicht gebaut worden.

Im Kino läuft zurzeit der „Wackersdorf“-Film, eine prägende Zeit für den bayerischen Bürgerprotest und auch für Sie?
Wir Biermösln haben damals sehr oft in der Oberpfalz gespielt und dadurch viele Lieder zum Thema WAA im Programm gehabt. Wir kannten den Strahlenexperten Edmund Lengfelder und waren durch ihn ganz gut über die Risiken der Atomkraft informiert. Der Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage kam ja auch nicht, wie von der Staatsregierung kolportiert, von linken Chaoten, sondern aus der Mitte der Bevölkerung und wurde immer größer. Die Oberpfälzer hatten Angst um ihre Heimat und vor den Strahlenrisiken, die bis zur Unbewohnbarkeit führen konnten. Meine Brüder und ich konnten das gut nachvollziehen.

Der Protest gipfelte dann im „Deutschen Woodstock“, dem legendären Konzert am 26. und 27 Juli 1986 in Burglengenfeld – mit Ihnen auf der Bühne.
Wir waren eine Volksmusik- Kabarettgruppe unter lauter Rock- und Punkbands. Vor uns haben die Toten Hosen gelärmt, dann waren wir dran. Die Hosen haben bei unserem Auftritt zugehört und uns danach gefragt, ob wir mit Ihnen Fußballspielen wollten. So wurden wir Freunde. Stars wie Grönemeyer haben uns ja nicht mitspielen lassen. Die meisten der über 100 000 Zuschauer kannten uns natürlich nicht. Bayerische Volksmusik war für die eine Begegnung der Dritten Art – CSU-Musik halt. Wie die aber realisiert haben, dass wir ganz andere Inhalte singen, sind die alle aufgestanden und haben fassungslos zugehört. Dieser unglaubliche Jubel nach jedem Lied – mir stellt es heute noch die Haare auf, wenn ich daran denke.

Was kann man mit einer Demonstration wie „Mia hams’s satt!“ am 6. Oktober auf dem Königsplatz eigentlich bewirken?
Ich glaub schon, dass so eine Veranstaltung ein starkes Zeichen sein kann gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft. Tatsache ist, dass die Böden durch Monokulturen wie Vermaisung immer mehr ausgelaugt werden. Immer mehr Bauern geben auf, weil es immer noch heißt „wachsen oder weichen?“ Seit 50 Jahren propagiert die CSU eine bäuerliche Landwirtschaft – in Wahlreden. Realität ist aber, dass immer weniger Bauern immer größere Flächen bewirtschaften. Das hat katastrophale Auswirkungen beispielsweise für unser Trinkwasser – jeder zweite Brunnen hat laut EU zu hohe Nitratwerte. Und auch das Insektensterben ist Folge einer Landwirtschaft, die immer mehr Agrarchemie einsetzt.

Wie könnte man dem entgegensteuern?
Zum Beispiel mit einer anderen Subventionspolitik, die nicht aus der Gießkanne kommt und damit Großflächen-Besitzer wie EON, Lufthansa usw. begünstigt. Bayern hat lange die Landwirtschaftsminister der Bundesrepublik gestellt. Christian Schmidt stimmte noch vor neun Monaten in einem Soloamoklauf der Verlängerung für Glyphosat zu. Jetzt hockt er im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn. Dazu kommt ein immenser Flächenverbrauch, immer mehr Gewerbegebiete metastasieren in die Landschaft hinaus – auch da ist Bayern führend. Jedes Jahr wird bei uns die Fläche vom Ammersee versiegelt. Im Jahr 2268 wird es dann heißen: „I bin da Sepp, und unter dene Gewerbehallen, do bin i dahoam“! Ich vermute, dass die Urlauber nicht wegen der Gewerbegebiete nach Bayern fahren, sondern wegen der schönen Landschaft.

Umfragen zufolge stehen wir ja kurz vor einer neuen „Revolution“: die CSU unter 40 Prozent!
Ich möchte da gar keine Prognose abgeben. Aber Macht braucht Kontrolle – und Demokratie den Wechsel, das würde dem Land Bayern gut tun. Gerade wenn man bewahren möchte, was das Gesicht von Bayern eigentlich ausmacht, nämlich seine kleinteilige bayerische Kulturlandschaft. Dazu Städte mit Geschäften, die drinnen sind und nicht als Einkaufscenter auf der grünen Wiese.

Sie lesen jetzt zusammen mit Gisela Schneeberger, Bernhard Butz und Gert Heidenreich Texte aus „Rotes Bayern“ im Landtag – auf Einladung der SPD.
So kommt der Eisner doch noch in den Landtag. Es ist doch eine Schande, dass der Gründer und erste Ministerpräsident von Bayern im Landtag nicht gewürdigt wird. Da gehört doch eigentlich ein Denkmal hin! Eisner war immer ein überzeugter Föderalist, er wollte eine starke Eigenständigkeit Bayerns gerade nach der Katastrophe durch das zentralistisch gesteuerte Kaiserreich. Eisner hat einmal gesagt, er würde mit weißblauen Fahnen gegen Berlin ziehen, um das liberale Bayern gegen das preußische militärische Junkertum zu verteidigen – das könnte doch sogar der CSU gefallen.

„Bayerisch ist doch eine Weltsprache“ Schwäbische Zeitung vom 18.11.2016

Friedrichshafen/ sz: 35 Jahre lang war der Musiker und Texter Hans Well als Teil des volksmusikalischen Kabarett-Trios Biermösl Blosn unterwegs. Dann mochten die Brüder nicht mehr miteinander, jetzt ist Well mit seinen drei Kindern Jonas, Sarah und Tabea unterwegs. Im Gespräch mit Martin Hennings verrät er, welche Rolle die CSU für ihn spielt, wie Spottlieder gerade in diesen Zeiten helfen können und warum seine neue Combo „bis auf eine Ausnahme“ hübscher ist als die alte. „Ich bin schon froh und dankbar, dass die Drei mit mir altem Dackel noch spielen“: Hans Well.

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Mit Musik gegen Hassparolen Warum CSU-Kritiker Hans Well mit der CSU gemeinsame Sache macht Süddeutsche Zeitung vom 16.November 2016 Interview: Sebastian Fischer

Es ist nicht mehr auf viel Verlass, nicht auf Wahlumfragen oder Parteifreundschaften, aber dass sich in Bayern ein paar Menschen konsequent über die CSU lustig machen, ist eigentlich Gesetz – zum Beispiel der Kabarettist und Musiker Hans Well. Eines seiner jüngeren Zitate: „Wenn du denkst, es geht nicht blöder, dann kommt irgendwas vom Söder.“ Aber nun, am Donnerstag, tritt er in Gröbenzell bei München auf einer Protestveranstaltung gegen die AfD auf – mitorganisiert von der CSU.

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Verhunzung des Bayrischzeller Liedes?

Bei der Verleihung „Bock des Jahres“ am 14.Dezember für die größte Umweltsünde in den deutschen Alpen von der Naturschutzorganization Mountain Wilderness an die Vereinigten Liftbetriebe Sudelfeld sangen Sarah, Jonas und Hans Well das "aktuelle Bayrischzeller Lied". Die erste Strophe ist original vom Texter Martin Staudacher aus dem Jahre 1882, die restlichen Strophen aus dem Jahre 2014, sind von Hans Well. Einige Einheimische wollten schon im Vorfeld das Absingen dieser Strophen verhindern und sprachen von einer "Verhunzung ihres Bayrischzeller Liedes", ohne es gehört zu haben. Die wahre Verhunzung des Liedes hat aber wohl eher mit dem Beschneiungsstausee und den bis zu 275 Schneekanonen zu tun.

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Hans Wells Jahresrück- und -ausblick für die tz

tz vom 02.Januar 2015 Ex-Biermösl bläst Bayerns Politik den Marsch München - Ecclestone, Maut, Hoeneß, Klimaschutz, Pegida: Exklusiv für die tz wirft Ex-Biermösl Hans Well ein satirisches Auge zurück auf 2014 und erklärt, warum 2015 das Jahr der Narren und Prinzen wird.

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Zuagroaste Preissn unter Gschwollschädeln

JA MEI- Rund um den Tegernsee hatten jahrelang CSU-Filz und Profitmafia das Sagen. Eine Provinzposse brachte das Fass zum Überlaufen

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Freihandelsvertrag: Misstrauen angebracht

Der "Standpunkt" von Hans Well Gastkommentar zum Freihandelsabkommen TTIP in der TZ vom 1./2. März 2014

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Energiewende retten! Sonne und Wind statt Fracking, Kohle und Atom

22. März 2014 Demos in 7 Landeshauptstädten Aktion in München12 Uhr Fröttmaninger Windrad

Über Ramses den Kleinen und Schorsch den Russen

Hans Well im Interview mit BGLand24 vom 31.01.2014

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Eindeutig Tee

Interview 20.01.2014 von Jörg Konrad vom Kulturportal KulturKomplott - www.kulturkomplott.de

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"Ich rate allen Grünen und Roten, zur CSU zu gehen"

Hans Well zur Landtagswahl Bayern Mit der Biermösl Blosn hat Hans Well jahrzehntelang gegen die CSU-Alleinherrschaft angesungen. Nun ist wieder alles wie früher - für Well total logisch. Ein nicht allzu ernstes Gespräch über eine Maut für Österreicher, das Dioxin-Hendl-Luder und den vermeintlichen Fehler, Gustl Mollath vor der Wahl aus der Psychiatrie zu lassen. Von Oliver Das Gupta SZ-online vom 17.September 2013

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"Einer flog übers Kuckucksnest" auf Bayerisch

Der Mollath-Schock Der Fall Gustl Mollath hat nicht nur Justiz und Polizei ins Zwielicht gerückt. Auch die Psychiatrie muss sich vorwerfen lassen, eine fragwürdige Rolle bei der nun schon sieben Jahre andauernden Inhaftierung des 56-Jährigen zu spielen. Viele tz- Leser fürchten, so wie Mollath könne es im Prinzip jedem gehen. Der Standpunkt von Hans Well tz Gast-kommentar vom 22./23. Juni 2013

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