Die Dunkle Wolke

Lied zum Sonntag- jetzt gilts!

Güllebohrung im Bayernland

Hans Well (2. von rechts) und die Wellbappn mit den Well-Kindern, Jonas, Tabea und Sarah sind als Ensemble inzwischen so ausgereift, dass sie sich durchaus mit der legendären "Biermösl Blosn" zu ihren besten Zeiten messen lassen können.

Nicht nur die Dachauer bekommen bei Hans Well und seinen Wellbappn ihr Fett weg, auch Bauern, Autoindustrie, die CSU und der Ministerpräsident. Alles schön verpackt in bairischen Reimen, musikalisch untermalt, so wie es das Publikum im Thoma-Haus liebt

Süddeutsche Zeitung vom 17.02.2019 Von Renate Zauscher, Dachau

Foto: Toni Heigl

Schon vor Beginn der Veranstaltung, beim Blick auf die Bühne, wissen die Besucher im Thoma-Haus, was sie erwarten dürfen. Da stehen und liegen unterschiedlichste Instrumente bereit: ein mächtiger Kontrabass, eine riesige Tuba, Geige und Bratsche, Akkordeon und Gitarre, sogar ein etwas urtümlich aussehendes Gerät, das sich Brummtopf nennt. Ein klarer Hinweis darauf, dass Hans Well und seine mittlerweile erwachsenen Kinder, die Wellbappn, im Leierkasten erwartet werden. Wie viele in der großen Well-Familie sind auch seine Kinder musikalische Multitalente. "Larifari" hat Hans Well das neue Programm genannt. Das klingt nach bayerisch-frechem Kasperltheater. Das lässt schon erahnen, wie respektlos Vater und Kinder Well die Zeitläufe und augenfälligsten ihrer Protagonisten aufs Korn nehmen werden. Aber zunächst sind die Dachauer selbst Ziel ihres Spotts: die Stadt im "paradiesischen Speckgürtel" Münchens, wo im Krankenhaus "am besten der Pflegenotstand funktioniert", oder wo man mit dem "Schwarzen Graben" ein schlagendes Argument gegen Flächenfraß hat. Wo aber auch die AfD frustriert erkennen muss: "Dachau ist nimmer das, was es einmal war", weil "auf jeden AfD-Treffen-Teilnehmer mindestens 30 Gegendemonstranten kommen". Klar, dass dieser Spott ebenso wie die frechen Kommentare über das heimatliche "Hausen", in dem man bei der Suche nach nutzbarer Geothermie nur auf Gülle gestoßen ist, in Form bairischer Gstanzln daherkommt: Auch die Biermösl Blosn, deren intellektueller Kopf Hans Well war, hat ihre bitterböse Kritik an der gesellschaftlichen wie politischen Lage immer volksmusikalisch verpackt. Es ist faszinierend, wie das klappt mit dem Musizieren von Hans Well und seinem Nachwuchs: Die Instrumente gehen auf der Bühne von Hand zu Hand. Mal nimmt Sarah, mal Tabea das Akkordeon zur Hand. Mal spielt Jonas auf der riesigen Tuba, mal auf Bass oder Trompete. Selbst dem Brummtopf kann er eindrucksvolle Geräusche entlocken. Sarahs Instrument ist meistens die Bratsche, Tabea brilliert in Stücken wie dem ungarischen Csardas wie ein Zigeunerprimas auf der Geige. Sie ist diejenige im Geschwistertrio, die die Musik zu ihrem Hauptberuf machen will und an der Hochschule in München studiert. Hinter bayerisch-weltmusikalischer Vielseitigkeit und der Lustigkeit von Hans Wells Sprachbildern und seinem inhaltlichen Einfallsreichtum verbirgt sich aber - wie könnte es anders sein bei einer Well-Formation - ein höchst kritischer Blick auf die nicht immer nur lustige Gegenwart. Viele der Texte sind brandaktuell: Das "Klagelied aus dem Zyklus der Klagelieder" etwa, in dem die Bauern von ihrem traurigen Los singen. Sie seien "die ärmsten, ohne Narkose kastrierten Schweine" im Land. Daran sind natürlich vor allem die Grünen schuld: "Die woll'n a Blumenparadies, obwohl der Boden unsrer is". Ob Klimawandel mit "Malariazone im Allgäu" und "zehn Millionen Bangladeschi vor Salzburg", ob bayerische Weltraumfantasien, bei denen die CSU zuletzt von einem Schwarzen Loch verschluckt wird, oder der Spott über die Autoindustrie und ihre Lobby: Hans Well hat für alle und alles bitterböse Kommentare bereit. Zu voller Form politischen Kabaretts läuft Well auf, wenn er aus dem von ihm immer auf den neuesten Stand gebrachten "Buche Bayerns" liest und dabei natürlich vor allem einen Herrscher namens Markus im Blick hat: "Markus den Frommen" nämlich, wahlweise auch "Markus den Hinterfotzigen", den "Blender" oder neuerdings den "frisch Ergrünten", den "Naturfreund", der seine nächste Sitzung in einem Baumhaus im Hambacher Forst abhalten will - natürlich nicht ohne vorher ein Kreuz daran befestigt zu haben. Für Hans Well ist die Welt eine Fundstätte erschreckender, grotesker, auch belustigender Steilvorlagen für seine Texte. Und auch wenn manche davon erst am Morgen vor dem Auftritt entstehen und auf der Bühne improvisiert werden muss: Hans Well und die Wellbappn haben inzwischen ein Niveau erreicht, das durchaus an das der Biermösl Blosn zu ihren besten Zeiten heranreicht. Entsprechend begeistert ist das Publikum im Thoma-Haus - gerade dort, wo Wells Spott mitten ins Herz der bayerischen Politik zielt. Politisch ist auch ein anderes Projekt von Well und seiner Frau Sabeeka Gangjee-Well: Sie haben den Deutschen Hörbuchpreis 2019 in der Kategorie Sachbuch für das von ihnen zusammengestellte Hörbuch "Rotes Bayern - Es lebe der Freistaat" erhalten. Als Lesung mit Texten von Zeitgenossen der Münchner Revolution 1918 und mit Musik der Wellbappn hatte es vor Kurzem Premiere im Residenztheater.

Wellbappn- Heimatlied

Rotzfreche Wellbappn

Bitterböse Volksmusik, bissiges Kabarett, scharfsinnige Satire: Die Biermösl Blosn mag sich aufgelöst haben, ihr Geist lebt fort: Hans Well gastierte mit seinen Wellbappn bei den Ingolstädter Kabaretttagen und begeisterte das Publikum. (Donau Kurier vom 14. Januar 2019)

Bild Wolfgang Spitzbart

Mut zur Meinung

Bitterböse Heimatlieder: Hans Well und seine Wellbappn begeistern bei den Ingolstädter Kabaretttagen

Von Sandra-Isabel Knobloch

Donau Kurier vom 14. Januar 2019

Ingolstadt (DK) „Habt’s es Ihr?“ Mit dieser Frage begrüßt Hans Well am Freitagabend das erwartungsfrohe Publikum in der gut gefüllten Eventhalle. Zu den 35. Ingolstädter Kabaretttagen hat er seinen Nachwuchs, die „Wellbappn“, mitgebracht. Jonas, Tabea und Sarah unterstützen ihren Vater musikalisch, gesanglich und textlich. Doch die härtesten und kritischsten Liedzeilen kommen immer noch aus der Feder von Hans Well, der schon bei den Biermösl Blosn 35 Jahre lang als Autor agiert hat. So gibt es direkt einen deftigen Einstieg mit hochaktuellen lokalen Themen wie skrupellosen Politikern, mafiösen Strukturen, aussterbender Innenstadt, kultureller Wandlung, Bausünden und zu guter Letzt betrügerischem Konzernverhalten–die Rede ist hier nicht von Palermo!

Hans Well nimmt nicht im Entferntesten ein Blatt vor den Mund und schreibt knallharte Gstanzl über Politik und Lobbyismus– Horst Seehofer, Markus Söder und Rupert Stadler sind derzeit die wohl meistgenannten Opfer seiner scharfen Zunge. Das ist ja gerade das Gute am Kabarett: Auf der Bühne wird Stellung bezogen – und Hans Well ist ganz bestimmt keiner, der sich nicht in die Themen, die er besingt, einarbeitet. Die Wellbappn glänzen vor allem mit einem Instrumentenkarussell, dem munteren Wechsel von Kontrabass, Scherr-Zither, Gitarre, Steirischer, Mandoline, Tuba und vielem mehr. Tabea Well brilliert in einem Geigen-Instrumental, und Jonas Well Bitterböse Heimatlieder: Hans Well und seine Wellbappn begeistern bei den Ingolstädter Kabaretttagen glänzt mit einem virtuosen Trompetenstück und kommt damit ganz nach seinem Onkel Christoph „Stofferl“ Well. Besonders unter die Haut gehen die A-cappella-Nummern, doch Hans Well und die Wellbappn spielen sich auch bei eingängigen Liedern über den Klimawandel(„Die Zukunftvon Hamburgliegt in der Nordsee“), über die Heimat („Olching, du Paradies am Amperstrand“) oder mit ihremBlick auf Kindergärten in heutigen Zeiten („Weg mit Teddy, Puppe, Bagger – her mit Smartphones für die Racker“) in die Herzen der Zuhörer.

Allerdings steigert sich das Programm nach der Pause deutlich, vom Zwiefachen mit dem schönen Wortspiel: „Liaba an Hund in Hausham als wia a Haus in Hundham ham!“ über das bissige Klagelied zur Lage in der Autoindustrie bis hin zur Nummer „Freundschaftsspiel“ vom aktuellen Album „Schneller“ über kampfbereite Mütter der F-Jugend vom Fußballverein Hausen. Nett ist auch „Brautwahl.de“ mit verschiedenen Partnervorschlägen der beiden Männer an die beiden Frauen auf der Bühne – die Wahl fällt selbstverständlich auf einen Musikanten. 

So bleibt abzuwarten, wie die Jugend des Well-Clans sich weiterentwickelt und ob die Wellbappn eines Tages – falls sie das überhaupt wollen – aus dem Schatten des Vaters und der Onkel und Tanten heraustreten werden. Wünschenswert ist tatsächlich ein scharfer Blick auf die Gesellschaft von der nächsten Generation, die vielleicht noch etwas bewegen kann, wenn die Gier nach Geld und Macht in Industrie und Politik so groß ist, dass nur noch Worte dagegen antreten können. Hans Well darf hoffentlich noch lange bei seinen Junioren mitspielen und den Mut zur freien Meinung hochhalten! Respekt!

Bitterböse Heimatlieder

Ein furioser Auftritt in der Schwabhausener Post: "Die Wellbappn" blasen den Bodenversieglern und Landschaftsverschandlern in Bayern den Marsch - mit beißendem Spott und virtuoser Musikalität

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Heimatlied

Hans Well & Wellbappn: Rotzfreche Biermösl 2.0 mit bitterböser Volksmusik

von Wolfgang Spitzbart

Photos Wolfgang Spitzbart

meinbezirk.at vom 16.03.2018

   

LAAKIRCHEN. Ende und Anfang in Steyrermühl: Dort, wo vor sechs Jahren die verblichene Biermösl Blosn vor ihrer Trennung ihr letztes Österreich-Abschied spielte, im Kulturzentrum Alfa, ausgerechnet dort gab es Donnerstagabend das erste Österreich-Konzert einer der beiden Nachfolgegruppen - Hans Well & Wellbappn, sozusagen Biermösl reloaded. „Das ist unsere Österreich-Premiere“, so der Biermösl-Veteran Hans Well, der gleich zu Beginn klarstellte: „Weil wir hier in einer alten Papierfabrik sind: Wellbappn, das hat nix mit Pappe zu tun, nein ihr wisst‘s schon – gemeint ist die Bappn, also das Mundwerk.“ Und was assoziert man sofort mit Bappn? Natürlich: Freche Bappn. Und so kam es dann auch: Zwei Stunden bitterböse Volksmusik, bissi-ges Kabarett, scharfe Satire. Das altbekannte Feindbild blieb erhalten - das bayerische Konglomorat aus CSU, Staatsregierung, jeweiligem Ministerpräsidenten, BayWa, Raiffeisen, Betonlobby, Kirche, Traditionsverbänden und Agrarindustrie.

           

Rotzfreich seit über 40 Jahren

Heimattümelei, Kitsch und falsch verstandene Trachtensentimentalität sind es der Familie Well so gar nicht. Rotzfrech kämpfen sie musikalisch gegen alles, was rechts steht. Ein listiges und spöttisches Ansingen gegen die bayerische Obrigkeit, dumpfbackenen Provinzialismus und trachtlerische Seligkeit. Und die Wells nehmen sich dabei auch gern selbst auf die Schaufel. Hans Well, der mit den Brüdern Christoph und Michael vor über 40 Jahren die legendäre Biermösl-Blosn gründete und mit ihr 35 Jahre lang durch die Lande zog, ist also wieder da. Mit seinen drei Kindern Tabea, Sarah und Jonas, den Wellbappn, wurde er noch kantiger, schärfer und kritischer. Schräger Wortwitz gepaart mit Hohn gegen die selbstgefällige Obrigkeit. Die vier sind aber auch außergewöhnliche Multi-Instrumentalisten, blitzschnell wechseln sie auf der Bühne die Instrumente – von der Steirischen zur Gitarre, von der Trompete zum Kontrabass, vom Akkordeon zum Saxophon, von der Geige zum Kazoo. Musikalität liegt der großen Familie Well einfach im Blut.
Schon mit dem Einstieg – ein paar bissige Gstanzln über Laakirchen und seine Lokalpolitik, über den Landeshauptmann, die österreichischen Burschenschaften - hatten die Wells die Sympathien des Publikums auf iher Seite, Beifall und Lacher. Die zogen sich durch das ganze hinreißende Programm bis zu den Zugaben.


Wellbappn Videoclip 2017

Wellbappn in Unterföhring

Photo Copyright S.Kellerer

Fürchten und Frohsinn lehren

Lachen und Nachdenken lagen beim Konzert von Hans Well und seinen Wellbappn dicht beieinander. Hans Well und seine drei Kinder boten im ausverkauften Stadtschloss ein ungewöhnliches Programm.

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Hans Well & Wellbappn – Bayern-Satire-Power vom Feinsten!

PLÄRRER

DAS STADTMAGAZIN

Dez.2016

Hans Well & Wellbappn: Das ist das Beste, was Bayern in Sachen Musik-Kabarett oder besser: Musik-Satire zu bieten hat! Well, schon immer der Kopf der verblichenen Biermösl Blosn gewesen, erwies sich in diesem Konzert als mittlerer Orkan des realsatirischen Wortwitzes – gesungen wie gesprochen. Und sein munteres Trio, bestehend aus zwei multiinstrumentalen Töchtern und Sohn an der Tuba, lässt ihn keineswegs alt aussehen. Im Gegenteil, sie ergänzen und verstärken einander mit enormer Energie und Spielfreude: Sarah, Tabea und Jonas. Glänzend die samt und sonders neuen, schön hohnlachenden Texte und Couplets von Hans Well: allesamt sehr konkrete Realsatiren darüber, wie Bayern-Insassen mit Ignoranz und Arroganz das süße Leben sauer werden lassen. Die Wellbappn: neue Meister der Moritaten über das Niedertrachtentum!

Die Wellbappn singen schön böse Lieder

von Konstanze Crüwell
FAZ von 25 Januar 2017

Aus „familiären“ Gründen ist der CDU-Politiker Ronald Pofalla als Chef des Kanzleramts zurückgetreten, um nun doch auf eine neue, gut bezahlte Aufgabe zu gieren: „Für zwei bis drei Millionen im Jahr – Poveralli, Poveralla! / Jetzt hat die Bahn im Vorstandsladen – einen Oberleitungsschaden“, prangern die Wellbappn auf der Frankfurter Kabarettbühne Die Käs solche Karrieresprünge früherer Spitzenpolitiker an, die etwa auch Pofallas Fraktionskollege Eckart von Klaeden, Ex-Minister Dirk Niebel und noch einige mehr vollführten.

Wellbappn ist der Name eines jungen bayerischen Familienquartetts, das Hans Well, langjähriger Autor und Musiker der Biermösl Blosn nach deren Ende mit seinen Kindern gegründet hat: Tabea, die 1991 geborene Tochter, studiert Geige und Volksmusik an der Musikhochschule in München; ihre zwei Jahre jüngere Schwester Sarah, Studentin im Fach Interkulturelle Kommunikation, bearbeitet bei ihren Auftritten Bratsche, Saxophon, Ukulele und Akkordeon durchaus professionell „und singt immer schöner“, wie es im Wellbappn-Flyer ganz richtig steht und es auch in der Käse zu hören war. Zu den Schwestern gesellt sich außerdem der 1996 geborene Jonas, Student der Politikwissenschaften, aber auch Musikus durch und durch, der im Alter von fünf Jahren mit dem Geigespiel seine musikalische Grundausbildung begann, der Cello und Kontrabass folgten. Sein Hauptinstrument, das er besonders gut beherrscht, ist allerdings die Trompete.

Das gute Einverständnis zwischen den Generationen bewies er, als er seinen Vater einmal mit freundlicher Ironie als „Nachwuchstalent des Rentner- und Invalidenvereins Hausens“ bezeichnete. Hans Well nahm es mit Fassung. Und einer der Höhepunkte des so unterhaltenden Wellbappn-Abends war die „Kindergartenrallye“, das von Jonas verfremdete Erlkönig-Lied: „Wer rast so früh durch Regen und Wind? / Es ist der Vater mit seinem Kind / Der Sohn sitzt hinten im Kindersitze / Der Vater fährt 180 Spitze“. So geht es weitere acht Strophen lang. Punkt acht Uhr musste das Kind im Kindergarten sein. „Sohn geht in den Kindergarten rein / Papa nach Hause ohne Führerschein.

Die Wellbappn haben sich mittlerweile als erfolgreiche und ernstzunehmende Nachfolger der Biermösl Blosn, jener legendären Kabarett-und-Musik-Band, etabliert. Denn mit ihrer oft schonungslosen Kritik an politischen Missständen und ihrer wahrhaft zu Herzen gehenden Volksmusik setzen Hans Well und seine musizierenden Kinder die Traditionen der Aufklärung und der Kultur ihrer Heimat so überzeugend fort, dass die Wellbappn als Vertreter wahren Bayerntums eigentlich von Horst Seehofer gewürdigt werden müssten. Vermutlich bietet er ihnen dann sogar das Du an.