Die Dunkle Wolke

Güllebohrung im Bayernland

Hans Well (2. von rechts) und die Wellbappn mit den Well-Kindern, Jonas, Tabea und Sarah sind als Ensemble inzwischen so ausgereift, dass sie sich durchaus mit der legendären "Biermösl Blosn" zu ihren besten Zeiten messen lassen können.

Nicht nur die Dachauer bekommen bei Hans Well und seinen Wellbappn ihr Fett weg, auch Bauern, Autoindustrie, die CSU und der Ministerpräsident. Alles schön verpackt in bairischen Reimen, musikalisch untermalt, so wie es das Publikum im Thoma-Haus liebt

Süddeutsche Zeitung vom 17.02.2019 Von Renate Zauscher, Dachau

Foto: Toni Heigl

Schon vor Beginn der Veranstaltung, beim Blick auf die Bühne, wissen die Besucher im Thoma-Haus, was sie erwarten dürfen. Da stehen und liegen unterschiedlichste Instrumente bereit: ein mächtiger Kontrabass, eine riesige Tuba, Geige und Bratsche, Akkordeon und Gitarre, sogar ein etwas urtümlich aussehendes Gerät, das sich Brummtopf nennt. Ein klarer Hinweis darauf, dass Hans Well und seine mittlerweile erwachsenen Kinder, die Wellbappn, im Leierkasten erwartet werden. Wie viele in der großen Well-Familie sind auch seine Kinder musikalische Multitalente. "Larifari" hat Hans Well das neue Programm genannt. Das klingt nach bayerisch-frechem Kasperltheater. Das lässt schon erahnen, wie respektlos Vater und Kinder Well die Zeitläufe und augenfälligsten ihrer Protagonisten aufs Korn nehmen werden. Aber zunächst sind die Dachauer selbst Ziel ihres Spotts: die Stadt im "paradiesischen Speckgürtel" Münchens, wo im Krankenhaus "am besten der Pflegenotstand funktioniert", oder wo man mit dem "Schwarzen Graben" ein schlagendes Argument gegen Flächenfraß hat. Wo aber auch die AfD frustriert erkennen muss: "Dachau ist nimmer das, was es einmal war", weil "auf jeden AfD-Treffen-Teilnehmer mindestens 30 Gegendemonstranten kommen". Klar, dass dieser Spott ebenso wie die frechen Kommentare über das heimatliche "Hausen", in dem man bei der Suche nach nutzbarer Geothermie nur auf Gülle gestoßen ist, in Form bairischer Gstanzln daherkommt: Auch die Biermösl Blosn, deren intellektueller Kopf Hans Well war, hat ihre bitterböse Kritik an der gesellschaftlichen wie politischen Lage immer volksmusikalisch verpackt. Es ist faszinierend, wie das klappt mit dem Musizieren von Hans Well und seinem Nachwuchs: Die Instrumente gehen auf der Bühne von Hand zu Hand. Mal nimmt Sarah, mal Tabea das Akkordeon zur Hand. Mal spielt Jonas auf der riesigen Tuba, mal auf Bass oder Trompete. Selbst dem Brummtopf kann er eindrucksvolle Geräusche entlocken. Sarahs Instrument ist meistens die Bratsche, Tabea brilliert in Stücken wie dem ungarischen Csardas wie ein Zigeunerprimas auf der Geige. Sie ist diejenige im Geschwistertrio, die die Musik zu ihrem Hauptberuf machen will und an der Hochschule in München studiert. Hinter bayerisch-weltmusikalischer Vielseitigkeit und der Lustigkeit von Hans Wells Sprachbildern und seinem inhaltlichen Einfallsreichtum verbirgt sich aber - wie könnte es anders sein bei einer Well-Formation - ein höchst kritischer Blick auf die nicht immer nur lustige Gegenwart. Viele der Texte sind brandaktuell: Das "Klagelied aus dem Zyklus der Klagelieder" etwa, in dem die Bauern von ihrem traurigen Los singen. Sie seien "die ärmsten, ohne Narkose kastrierten Schweine" im Land. Daran sind natürlich vor allem die Grünen schuld: "Die woll'n a Blumenparadies, obwohl der Boden unsrer is". Ob Klimawandel mit "Malariazone im Allgäu" und "zehn Millionen Bangladeschi vor Salzburg", ob bayerische Weltraumfantasien, bei denen die CSU zuletzt von einem Schwarzen Loch verschluckt wird, oder der Spott über die Autoindustrie und ihre Lobby: Hans Well hat für alle und alles bitterböse Kommentare bereit. Zu voller Form politischen Kabaretts läuft Well auf, wenn er aus dem von ihm immer auf den neuesten Stand gebrachten "Buche Bayerns" liest und dabei natürlich vor allem einen Herrscher namens Markus im Blick hat: "Markus den Frommen" nämlich, wahlweise auch "Markus den Hinterfotzigen", den "Blender" oder neuerdings den "frisch Ergrünten", den "Naturfreund", der seine nächste Sitzung in einem Baumhaus im Hambacher Forst abhalten will - natürlich nicht ohne vorher ein Kreuz daran befestigt zu haben. Für Hans Well ist die Welt eine Fundstätte erschreckender, grotesker, auch belustigender Steilvorlagen für seine Texte. Und auch wenn manche davon erst am Morgen vor dem Auftritt entstehen und auf der Bühne improvisiert werden muss: Hans Well und die Wellbappn haben inzwischen ein Niveau erreicht, das durchaus an das der Biermösl Blosn zu ihren besten Zeiten heranreicht. Entsprechend begeistert ist das Publikum im Thoma-Haus - gerade dort, wo Wells Spott mitten ins Herz der bayerischen Politik zielt. Politisch ist auch ein anderes Projekt von Well und seiner Frau Sabeeka Gangjee-Well: Sie haben den Deutschen Hörbuchpreis 2019 in der Kategorie Sachbuch für das von ihnen zusammengestellte Hörbuch "Rotes Bayern - Es lebe der Freistaat" erhalten. Als Lesung mit Texten von Zeitgenossen der Münchner Revolution 1918 und mit Musik der Wellbappn hatte es vor Kurzem Premiere im Residenztheater.

Wellbappn- Heimatlied

Rotzfreche Wellbappn

Bitterböse Volksmusik, bissiges Kabarett, scharfsinnige Satire: Die Biermösl Blosn mag sich aufgelöst haben, ihr Geist lebt fort: Hans Well gastierte mit seinen Wellbappn bei den Ingolstädter Kabaretttagen und begeisterte das Publikum. (Donau Kurier vom 14. Januar 2019)

Bild Wolfgang Spitzbart

Mut zur Meinung

Bitterböse Heimatlieder: Hans Well und seine Wellbappn begeistern bei den Ingolstädter Kabaretttagen

Von Sandra-Isabel Knobloch

Donau Kurier vom 14. Januar 2019

Ingolstadt (DK) „Habt’s es Ihr?“ Mit dieser Frage begrüßt Hans Well am Freitagabend das erwartungsfrohe Publikum in der gut gefüllten Eventhalle. Zu den 35. Ingolstädter Kabaretttagen hat er seinen Nachwuchs, die „Wellbappn“, mitgebracht. Jonas, Tabea und Sarah unterstützen ihren Vater musikalisch, gesanglich und textlich. Doch die härtesten und kritischsten Liedzeilen kommen immer noch aus der Feder von Hans Well, der schon bei den Biermösl Blosn 35 Jahre lang als Autor agiert hat. So gibt es direkt einen deftigen Einstieg mit hochaktuellen lokalen Themen wie skrupellosen Politikern, mafiösen Strukturen, aussterbender Innenstadt, kultureller Wandlung, Bausünden und zu guter Letzt betrügerischem Konzernverhalten–die Rede ist hier nicht von Palermo!

Hans Well nimmt nicht im Entferntesten ein Blatt vor den Mund und schreibt knallharte Gstanzl über Politik und Lobbyismus– Horst Seehofer, Markus Söder und Rupert Stadler sind derzeit die wohl meistgenannten Opfer seiner scharfen Zunge. Das ist ja gerade das Gute am Kabarett: Auf der Bühne wird Stellung bezogen – und Hans Well ist ganz bestimmt keiner, der sich nicht in die Themen, die er besingt, einarbeitet. Die Wellbappn glänzen vor allem mit einem Instrumentenkarussell, dem munteren Wechsel von Kontrabass, Scherr-Zither, Gitarre, Steirischer, Mandoline, Tuba und vielem mehr. Tabea Well brilliert in einem Geigen-Instrumental, und Jonas Well Bitterböse Heimatlieder: Hans Well und seine Wellbappn begeistern bei den Ingolstädter Kabaretttagen glänzt mit einem virtuosen Trompetenstück und kommt damit ganz nach seinem Onkel

Christoph „Stofferl“ Well. Besonders unter die Haut gehen die A-cappella-Nummern, doch Hans Well und die Wellbappn spielen sich auch bei eingängigen Liedern über den Klimawandel(„Die Zukunftvon Hamburgliegt in der Nordsee“), über die Heimat („Olching, du Paradies am Amperstrand“) oder mit ihremBlick auf Kindergärten in heutigen Zeiten („Weg mit Teddy, Puppe, Bagger – her mit Smartphones für die Racker“) in die Herzen der Zuhörer.

Allerdings steigert sich das Programm nach der Pause deutlich, vom Zwiefachen mit dem schönen Wortspiel: „Liaba an Hund in Hausham als wia a Haus in Hundham ham!“ über das bissige Klagelied zur Lage in der Autoindustrie bis hin zur Nummer „Freundschaftsspiel“ vom aktuellen Album „Schneller“ über kampfbereite Mütter der F-Jugend vom Fußballverein Hausen. Nett ist auch „Brautwahl.de“ mit verschiedenen Partnervorschlägen der beiden Männer an die beiden Frauen auf der Bühne – die Wahl fällt selbstverständlich auf einen Musikanten. 

So bleibt abzuwarten, wie die Jugend des Well-Clans sich weiterentwickelt und ob die Wellbappn eines Tages – falls sie das überhaupt wollen – aus dem Schatten des Vaters und der Onkel und Tanten heraustreten werden. Wünschenswert ist tatsächlich ein scharfer Blick auf die Gesellschaft von der nächsten Generation, die vielleicht noch etwas bewegen kann, wenn die Gier nach Geld und Macht in Industrie und Politik so groß ist, dass nur noch Worte dagegen antreten können. Hans Well darf hoffentlich noch lange bei seinen Junioren mitspielen und den Mut zur freien Meinung hochhalten! Respekt!

Bitterböse Heimatlieder

Ein furioser Auftritt in der Schwabhausener Post: "Die Wellbappn" blasen den Bodenversieglern und Landschaftsverschandlern in Bayern den Marsch - mit beißendem Spott und virtuoser Musikalität

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Heimatlied

Hörproben1_RotesBayern

Hörproben2_Rotes Bayern

Schaurig-schöne Reise zu den Ursprüngen

100 Jahre Freistaat: „Rotes Bayern“: Ein grandioses Hörspiel von Hans Well und den Wellbappn zum Jubiläum

Florian Sendtner

Bayerischer Staatsanzeiger vom 01.Juni 2018 

Hundert Jahre Freistaat! Während die Redenschreiber von Markus Söder jetzt schon schwitzen, was sie ihrem Chef ins Manuskript für die Gedenkfeier am 8. November schreiben sollen, hat Hans Well schon mal kräftig hingelangt. Der jahrzehntelange Leadsänger der Biermöslblosn und jetzige Kopf der Wellbappn führt in einem gut zweistündigen Hörbuch die Revolution von 1918/19 so plastisch vor Augen, dass es wehtut.

Im November diesen Jahres wollte Horst Seehofer das Museum der bayerischen Geschichte in Regensburg einweihen. Aber da kam einiges dazwischen. Erstens ein Brand auf der Museumsbaustelle, der die Fertigstellung um Monate verzögerte, zweitens ist Seehofer mittlerweile nicht mehr in der passenden Funktion für die Eröffnung. Und drittens ist ihm jetzt Hans Well zuvorgekommen. Denn der Textschreiber der Biermöslblosn, der nach deren Ende nahtlos mit seiner neuen Formation Wellbappn weitermachte, hat sich in das Museum der bayerischen Geschichte eingeschlichen, noch bevor es glanzvoll eröffnet werden konnte.

Subversiv, wie es seine Art ist, ist Hans Well in den Museumskeller eingestiegen – natürlich nur im Geiste. Und er hat eine ganze Combo von Freunden mitgebracht. Nicht nur seine komplette Familie (Familie im engeren Sinn: seine Frau Sabeeka Gangjee-Well als Co-Autorin und seine drei Kinder als Musikanten), sondern auch den Schriftsteller Gert Heidenreich und die Schauspieler Heinz-Josef Braun, Bernhard Butz, Gisela Schneeberger und Johanna Bittenbinder.

Das Ergebnis ist ein Hörbuch vom Feinsten, das in gut zwei Stunden die Geburt des Freistaats Bayern vor hundert Jahren erklärt, so amüsant wie möglich und so drastisch wie nötig. Denn die famose Gesellschaft erkundet unter der resoluten Führung von Gisela Schneeberger die Katakomben des Museums der bayerischen Geschichte, und zwar insbesondere die bislang nicht zugängliche „Abstellkammer der Münchner Revolution 1918/19“. Es beginnt mit dem Ersten Weltkrieg, mit den Eroberungshalluzinationen von König Ludwig III. (Elsass, Antwerpen), denen in der Realität nur Hunger und Tod gegenüberstehen. Fast in jeder Familie ist entweder der Vater oder ein Sohn gefallen. Die Runkelrübe avanciert zum Hauptlebensmittel, Professoren beweisen, dass Kleie denselben Nährwert hat wie Mehl, doch die Theorie „dringt nicht bis zum Magen“. Es gibt Hungerdemonsrationen und schließlich die ersten Munitionsarbeiterstreiks. Und Hans Well intoniert „Ich hatt einen Kameraden“ und später die Hungerparodie „Ich hatt einen Schweinebraten“.

Mit vielen Originaltexten von 1918/19, teils von den üblichen Verdächtigen wie Oskar Maria Graf und Felix Fechenbach, teils von nicht ganz so Bekannten wie dem Münchner Rechtsanwalt Max Hirschberg, wird das Geschehen vor hundert Jahren lebendig, und die (immer kurzen) Lieder und Musikstücke MarkeWell sorgen für beste Unterhaltung.  Da stellt jemand aus der Besuchergruppe die Frage: „Hats denn die SPD damals gleich zweimal geben?“

Es folgt die Erklärung der Spaltung der SPD in Unabhängige (USPD) und Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) 1917, und der Anführer der USPD, Kurt Eisner, der am 7./8. November 1918 entschlossen den Freistaat ausruft, wird aus ungewöhnlicher Perspektive porträtiert. Victor Klemperer, bekannt durch sein Jahrhunderttagebuch, beschreibt Kurt Eisner aus nächster Nähe so: „Der Witz ersetzt ihm fast immer das Pathos.“

Wer könnte die Verwunderung besser ausdrücken als Gisela Schneeberger mit ihrer spitzen Stimme: „Sie müssen sich des amal vorstellen: Eine Revolution in Bayern! In München! Von die Roten! 750 Jahre Wittelsbach erledigt! Ruckzuck! Aus, Äpfe, Amen!“ Und das ohne einen Tropfen Blutvergießen. Bis zur Ermordung Eisners. Von dem der Satz stammt: „Jedes Menschenleben soll heilig sein.“ Nach dem millionenfachen Töten im Weltkrieg war das kein übertriebenes Pathos. „Der Eisner und de andern geben uns des Menschenrecht / Ganz wurscht, wo oaner herkimmt, koaner is vo Haus aus schlecht“, heißt es in einem Lied.

Das klingt vielleicht simpel, aber genau das war 750 Jahre lang unverrückbare Grundlage der Gesellschaftsordnung: Knecht bleibt Knecht. Und reimt sich auf schlecht. Es ist einiges geboten in diesem halben Jahr von November 1918 bis Mai 1919. Vom Autounfall mit tödlichem Ausgang für den revolutionären Bauernbündler Ludwig Gandorfer bis zum Flugzeugabsturz, den der Schriftsteller Ernst Toller überlebt, der bei der Verteidigung Münchens gegen die Freicorps zunächst erfolgreich ist.

Doch Anfang Mai 1919 wird die bayerische Räterepublik, zu der sich der Freistaat unter dem Druck der Ereignisse fortentwickelt hat mit Stumpf und Stiel ausgemerzt. Erich Mühsams Lied vom Revoluzzer, der im Zivilstand Lampenputzer ist, feiert in einer Well-Vertonung fröhliche Urständ, und Zenzl Mühsam schreibt einen herzzerreißenden Brief an ihren allerliebsten Gatten.

Am Ende, nach der Niederschlagung der Revolution, geht Oskar Maria Graf ins Leichenhaus am Ostfriedhof. Die wenigen Gefallenen der Weißen sind blumenbeladen und mit weißblauen Bändern aufgebahrt, aber niemand geht zu ihnen. Alle strömen zu einem kellerartigen Nebengebäude, in dem die übel zugerichteten Leichen der Arbeiter auf dem Boden liegen. Graf taumelt von einem Toten zum nächsten, bei hundert hört er zu zählen auf. Es folgt das Lied vom Alten Peter und der Münchner Gemütlichkeit, die niemals ausstirbt.

Hans Well & Wellbappn: Rotzfreche Biermösl 2.0 mit bitterböser Volksmusik

von Wolfgang Spitzbart

Photos Wolfgang Spitzbart

meinbezirk.at vom 16.03.2018

   

LAAKIRCHEN. Ende und Anfang in Steyrermühl: Dort, wo vor sechs Jahren die verblichene Biermösl Blosn vor ihrer Trennung ihr letztes Österreich-Abschied spielte, im Kulturzentrum Alfa, ausgerechnet dort gab es Donnerstagabend das erste Österreich-Konzert einer der beiden Nachfolgegruppen - Hans Well & Wellbappn, sozusagen Biermösl reloaded. „Das ist unsere Österreich-Premiere“, so der Biermösl-Veteran Hans Well, der gleich zu Beginn klarstellte: „Weil wir hier in einer alten Papierfabrik sind: Wellbappn, das hat nix mit Pappe zu tun, nein ihr wisst‘s schon – gemeint ist die Bappn, also das Mundwerk.“ Und was assoziert man sofort mit Bappn? Natürlich: Freche Bappn. Und so kam es dann auch: Zwei Stunden bitterböse Volksmusik, bissi-ges Kabarett, scharfe Satire. Das altbekannte Feindbild blieb erhalten - das bayerische Konglomorat aus CSU, Staatsregierung, jeweiligem Ministerpräsidenten, BayWa, Raiffeisen, Betonlobby, Kirche, Traditionsverbänden und Agrarindustrie.

           

Rotzfreich seit über 40 Jahren

Heimattümelei, Kitsch und falsch verstandene Trachtensentimentalität sind es der Familie Well so gar nicht. Rotzfrech kämpfen sie musikalisch gegen alles, was rechts steht. Ein listiges und spöttisches Ansingen gegen die bayerische Obrigkeit, dumpfbackenen Provinzialismus und trachtlerische Seligkeit. Und die Wells nehmen sich dabei auch gern selbst auf die Schaufel. Hans Well, der mit den Brüdern Christoph und Michael vor über 40 Jahren die legendäre Biermösl-Blosn gründete und mit ihr 35 Jahre lang durch die Lande zog, ist also wieder da. Mit seinen drei Kindern Tabea, Sarah und Jonas, den Wellbappn, wurde er noch kantiger, schärfer und kritischer. Schräger Wortwitz gepaart mit Hohn gegen die selbstgefällige Obrigkeit. Die vier sind aber auch außergewöhnliche Multi-Instrumentalisten, blitzschnell wechseln sie auf der Bühne die Instrumente – von der Steirischen zur Gitarre, von der Trompete zum Kontrabass, vom Akkordeon zum Saxophon, von der Geige zum Kazoo. Musikalität liegt der großen Familie Well einfach im Blut.
Schon mit dem Einstieg – ein paar bissige Gstanzln über Laakirchen und seine Lokalpolitik, über den Landeshauptmann, die österreichischen Burschenschaften - hatten die Wells die Sympathien des Publikums auf iher Seite, Beifall und Lacher. Die zogen sich durch das ganze hinreißende Programm bis zu den Zugaben.


Neue CD "Rotes Bayern- es Lebe der Freistaat"

Erschienen: 29.05.2018

 Gesprochen von Bernhard Butz, Johanna Bittenbinder, Gisela Schneeberger, Heinz-Josef Braun, Gert Heidenreich, Hans, Sarah, Tabea und Jonas Well.

Musik und Lieder von Hans Well und den Wellbappn mit Lukas Berk.

"Es ist vielleicht das beste neue Geschichtswerk zur Revolution 1918 in Bayern."

Dirk Walter im Münchner Merkur vom 02. Juni 2018

Den kompletten Artikel von Dirk Walter finden Sie hier: 

Eine Ehrenrettung für das Rote Bayern

Hans Well zur CD

Von der Münchner Revolution am 7. November 1918 erfuhr ich während meiner gesamten Schulzeit so gut wie nichts. Zwar lernte ich, wie blutig die Französische Revolution die Monarchie beseitigt hatte, dass aber unter der Führung von Kurt Eisner 

◊ die bayerische Monarchie ohne Blutvergießen abgeschafft, 

◊ der Freistaat Bayern gegründet, 

◊ der 8-Stunden-Arbeitstag sowie das Frauenwahlrecht eingeführt und 

◊ die Aufsicht der Kirche über die Schulen abgeschafft wurde, 

davon erfuhr man in bayerischen Schulen früher rein gar nichts. Für die Bayerische Staatsregierung passte der sozialistische Gründer offenkundig nicht ins rechte Weltbild. Dabei war die Zeit vom 7. November 1918 bis zum 1. Mai 1919 in München mit Sicherheit der interessanteste Versuch, Deutschland nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs eine neue Ordnung zu geben. Die Voraussetzungen für die Revolutionsregierungen waren denkbar schlecht, denn die hohen Erwartungen konnten in Zeiten von Not und Mangel nicht erfüllt werden. Dafür, dass Eisner und seine Mitstreiter in der Situation der militärischen Niederlage eigentlich keine Chance hatten, nutzten sie diese allerdings erstaunlich gut. 

Die Geschichte vom Sturz der Monarchie bis zum Ende der zweiten Räterepublik wurde nach der blutigen Beendigung von bürgerlichen und reaktionären Kreisen stigmatisiert und totgeschwiegen. Noch heute gilt vielen Konservativen die Sichtweise der damaligen Gegner, es hätte sich dabei um einen Revolutionsfasching weltfremder Spinner oder Träumer gehandelt, der den Bayern von landfremden Agitatoren aufgezwungen worden sei. Dabei legten diese „Spinner“ den Grundstein für unseren Freistaat, unsere Demokratie – die blutige Niederschlagung der Räteregierung durch Freicorps und Reichstruppen hingegen das Fundament für den Nationalsozialismus. Es zeugt von großer Kleingeistigkeit, dass die historischen Verdienste Kurt Eisners von der Bayerischen Regierung auch 100 Jahre später noch immer ignoriert werden. Hätten nicht so viele bedeutende Schriftsteller, die Zeugen der Vorgänge wurden, darüber geschrieben, wäre die Strategie des Verschweigens vermutlich aufgegangen. 

Die begrenzte Zeit einer Doppel-CD zwingt leider zu schmerzhaften Schnitten bei der Fülle zeitgeschichtlicher Literatur von Autoren wie Oskar Maria Graf, Ernst Toller, Victor Klemperer, Heinrich und Viktor Mann, Lion Feuchtwanger und anderen. 

Immerhin titelte der Bayerische Staatsanzeiger im Januar 2018 einen Beitrag über den ersten Bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner: Ein bayerischer Held. Wir wünschen uns, dass diese zwei CDs einer breiteren Öffentlichkeit ein gerechtes Bild dieses völlig unheroischen Helden und  seiner Feinde, vermitteln können.

Wellbappn Videoclip 2017

Wellbappn in Unterföhring

Photo Copyright S.Kellerer

Fürchten und Frohsinn lehren

Lachen und Nachdenken lagen beim Konzert von Hans Well und seinen Wellbappn dicht beieinander. Hans Well und seine drei Kinder boten im ausverkauften Stadtschloss ein ungewöhnliches Programm.

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Hans Well & Wellbappn – Bayern-Satire-Power vom Feinsten!

PLÄRRER

DAS STADTMAGAZIN

Dez.2016

Hans Well & Wellbappn: Das ist das Beste, was Bayern in Sachen Musik-Kabarett oder besser: Musik-Satire zu bieten hat! Well, schon immer der Kopf der verblichenen Biermösl Blosn gewesen, erwies sich in diesem Konzert als mittlerer Orkan des realsatirischen Wortwitzes – gesungen wie gesprochen. Und sein munteres Trio, bestehend aus zwei multiinstrumentalen Töchtern und Sohn an der Tuba, lässt ihn keineswegs alt aussehen. Im Gegenteil, sie ergänzen und verstärken einander mit enormer Energie und Spielfreude: Sarah, Tabea und Jonas. Glänzend die samt und sonders neuen, schön hohnlachenden Texte und Couplets von Hans Well: allesamt sehr konkrete Realsatiren darüber, wie Bayern-Insassen mit Ignoranz und Arroganz das süße Leben sauer werden lassen. Die Wellbappn: neue Meister der Moritaten über das Niedertrachtentum!

Die Wellbappn singen schön böse Lieder

von Konstanze Crüwell
FAZ von 25 Januar 2017

Aus „familiären“ Gründen ist der CDU-Politiker Ronald Pofalla als Chef des Kanzleramts zurückgetreten, um nun doch auf eine neue, gut bezahlte Aufgabe zu gieren: „Für zwei bis drei Millionen im Jahr – Poveralli, Poveralla! / Jetzt hat die Bahn im Vorstandsladen – einen Oberleitungsschaden“, prangern die Wellbappn auf der Frankfurter Kabarettbühne Die Käs solche Karrieresprünge früherer Spitzenpolitiker an, die etwa auch Pofallas Fraktionskollege Eckart von Klaeden, Ex-Minister Dirk Niebel und noch einige mehr vollführten.

Wellbappn ist der Name eines jungen bayerischen Familienquartetts, das Hans Well, langjähriger Autor und Musiker der Biermösl Blosn nach deren Ende mit seinen Kindern gegründet hat: Tabea, die 1991 geborene Tochter, studiert Geige und Volksmusik an der Musikhochschule in München; ihre zwei Jahre jüngere Schwester Sarah, Studentin im Fach Interkulturelle Kommunikation, bearbeitet bei ihren Auftritten Bratsche, Saxophon, Ukulele und Akkordeon durchaus professionell „und singt immer schöner“, wie es im Wellbappn-Flyer ganz richtig steht und es auch in der Käse zu hören war. Zu den Schwestern gesellt sich außerdem der 1996 geborene Jonas, Student der Politikwissenschaften, aber auch Musikus durch und durch, der im Alter von fünf Jahren mit dem Geigespiel seine musikalische Grundausbildung begann, der Cello und Kontrabass folgten. Sein Hauptinstrument, das er besonders gut beherrscht, ist allerdings die Trompete.

Das gute Einverständnis zwischen den Generationen bewies er, als er seinen Vater einmal mit freundlicher Ironie als „Nachwuchstalent des Rentner- und Invalidenvereins Hausens“ bezeichnete. Hans Well nahm es mit Fassung. Und einer der Höhepunkte des so unterhaltenden Wellbappn-Abends war die „Kindergartenrallye“, das von Jonas verfremdete Erlkönig-Lied: „Wer rast so früh durch Regen und Wind? / Es ist der Vater mit seinem Kind / Der Sohn sitzt hinten im Kindersitze / Der Vater fährt 180 Spitze“. So geht es weitere acht Strophen lang. Punkt acht Uhr musste das Kind im Kindergarten sein. „Sohn geht in den Kindergarten rein / Papa nach Hause ohne Führerschein.

Die Wellbappn haben sich mittlerweile als erfolgreiche und ernstzunehmende Nachfolger der Biermösl Blosn, jener legendären Kabarett-und-Musik-Band, etabliert. Denn mit ihrer oft schonungslosen Kritik an politischen Missständen und ihrer wahrhaft zu Herzen gehenden Volksmusik setzen Hans Well und seine musizierenden Kinder die Traditionen der Aufklärung und der Kultur ihrer Heimat so überzeugend fort, dass die Wellbappn als Vertreter wahren Bayerntums eigentlich von Horst Seehofer gewürdigt werden müssten. Vermutlich bietet er ihnen dann sogar das Du an.