Neue CD "Rotes Bayern- es Lebe der Freistaat"

Gesprochen von Bernhard Butz, Johanna Bittenbinder, Gisela Schneeberger, Heinz-Josef Braun, Gert Heidenreich, Hans, Sarah, Tabea und Jonas Well. Musik und Lieder von Hans Well und den Wellbappn mit Lukas Berk.

Erschienen: 29.05.2018

Von der Münchner Revolution am 7. November 1918 erfuhr ich während meiner gesamten Schulzeit so gut wie nichts. Zwar lernte ich, wie blutig die Französische Revolution die Monarchie beseitigt hatte, dass aber unter der Führung von Kurt Eisner 

die bayerische Monarchie ohne Blutvergießen abgeschafft, 

der Freistaat Bayern gegründet, 

der 8-Stunden-Arbeitstag sowie das Frauenwahlrecht eingeführt und 

die Aufsicht der Kirche über die Schulen abgeschafft wurde, 

davon erfuhr man in bayerischen Schulen früher rein gar nichts. Für die Bayerische Staatsregierung passte der sozialistische Gründer offenkundig nicht ins rechte Weltbild. Dabei war die Zeit vom 7. November 1918 bis zum 1. Mai 1919 in München mit Sicherheit der interessanteste Versuch, Deutschland nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs eine neue Ordnung zu geben. Die Voraussetzungen für die Revolutionsregierungen waren denkbar schlecht, denn die hohen Erwartungen konnten in Zeiten von Not und Mangel nicht erfüllt werden. Dafür, dass Eisner und seine Mitstreiter in der Situation der militärischen Niederlage eigentlich keine Chance hatten, nutzten sie diese allerdings erstaunlich gut. 

Die Geschichte vom Sturz der Monarchie bis zum Ende der zweiten Räterepublik wurde nach der blutigen Beendigung von bürgerlichen und reaktionären Kreisen stigmatisiert und totgeschwiegen. Noch heute gilt vielen Konservativen die Sichtweise der damaligen Gegner, es hätte sich dabei um einen Revolutionsfasching weltfremder Spinner oder Träumer gehandelt, der den Bayern von landfremden Agitatoren aufgezwungen worden sei. Dabei legten diese „Spinner“ den Grundstein für unseren Freistaat, unsere Demokratie – die blutige Niederschlagung der Räteregierung durch Freicorps und Reichstruppen hingegen das Fundament für den Nationalsozialismus. Es zeugt von großer Kleingeistigkeit, dass die historischen Verdienste Kurt Eisners von der Bayerischen Regierung auch 100 Jahre später noch immer ignoriert werden. Hätten nicht so viele bedeutende Schriftsteller, die Zeugen der Vorgänge wurden, darüber geschrieben, wäre die Strategie des Verschweigens vermutlich aufgegangen. 

Die begrenzte Zeit einer Doppel-CD zwingt leider zu schmerzhaften Schnitten bei der Fülle zeitgeschichtlicher Literatur von Autoren wie Oskar Maria Graf, Ernst Toller, Victor Klemperer, Heinrich und Viktor Mann, Lion Feuchtwanger und anderen. 

Immerhin titelte der Bayerische Staatsanzeiger im Januar 2018 einen Beitrag über den ersten Bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner: Ein bayerischer Held. Wir wünschen uns, dass diese zwei CDs einer breiteren Öffentlichkeit ein gerechtes Bild dieses völlig unheroischen Helden und  seiner Feinde, vermitteln können.

Hans Well

Hörproben1_RotesBayern

Neue CD erscheinen im Kunstmann Verlag

Drei Jahre nach der ersten erscheint die nächste CD mit dem Titel "Schneller"

Die Wellbappn: sie lassen ihren Vater gnädigerweise noch mitspielen - als Texter hat er schließlich nichts verlernt. Hans Well textet also, sein Nachwuchs kritisiert , verbessert, vertont seine Werke mehrstimmig und bringt den Vater mit virtuosen Musikstücken zur Verzweiflung  - ja bisweilen sogar zum Üben. Neue Lieder werden wieder schnell umgesetzt. So entstand innerhalb von nur 3 Jahren bereits die zweite CD mit dem Titel „Schneller“. Im bewährten Stil von Hans Well gründen die Themen in der Mitte der Gesellschaft und machen sich in bester Manier  über sich selbst, Mitmenschen oder verantwortliche politische Köpfe lustig. So entsteht ein Heimatsound, der zum bayrischen Gefühl auch Unterleib und Kopf nicht vergißt. Zur Hoeneß-Passion gesellt sich ein Fanlied kampfbereiter Mütter der F-Schülermannschaft von Hausen, zum Pfingstlied das notorische Tief aus dem Nordwesten. Die Genialität der Ausländermaut, der Gegenwind bei der  Energiewende oder die von Gesellschaft und Presse völlig ignorierte Schutzbedürftigkeit von Verfassungsschutz oder BND werden mit gebührender Hochachtung besungen. 


Hörproben2_Rotes Bayern

Musiker Hans Well"Bayern ist ein Eldorado für Satiriker"

"Die bayerische Politik geriert sich so, dass sie dazu einlädt, sich darüber lustig zu machen" - das meint Hans Well, in den Siebzigerjahren bekannt geworden mit der Band "Biermösl Blosn". Heute spielt er mit seinen drei Kindern in der Band "Wellbappn" - und macht wie früher wieder keinen Halt vor CSU, Konzernen oder dem Klerus.

Hans Well im Gespräch mit Adalbert Siniawski hier gehts zum Gespräch

 

 

Spitzzüngig huldigen die Wellbappn dem Volksspott, der der Biermösl Blosn schon zu Ruhm und Ehre verholfen hat. Und sie blasen frischen Wind ins alte Segel. Ob Sparmaßnahme oder Schulsystem, politische oder soziale Bereiche - nichts ist dem Quartett heilig.

(Augsburger Allgemeine)

35 Jahre Biermösl Blosn erschienen im Kunstmann Verlag

Das Auseinanderbrechen der Biermösl Blosn aus Günzlhofen nach 35 Jahren wurde selbst von einem Teil derer bedauert, die von dem Trio heftigste satirische Prügel bezogen hatten. Das Rauschen im Blätterwald war immens, die Trauer unter den Fans ebenso. Wie hatte es dazu nur kommen können, so fragte man sich. Die Brüder Hans, Christoph und Michael Well hatten doch immer so unzertrennlich gewirkt, familiär vereint sozusagen im Kampf gegen aufgesetztes Bajuwarentum, die Zerstörung der bayerischen Kultur und Kulturlandschaft, politische Borniertheit und Großmannsucht, öffentliche Heuchelei und verdeckte Korruption. 

Auch diese Frage beantwortet Hans Well, Texter, Vordenker und sicherlich radikalste und konsequenteste Figur innerhalb dieses Dreigestirns zwischen Volksmusik und Politikerschelte, Staatsschauspiel und Mehrzweckhalle, Bundlederhose und Florett, Bierzeltdunst und Demonstrationsumzug. In seinem bei Kunstmann erschienenen Buch „35 Jahre Biermösl Blosn“, das auf den ersten Blick die Biografie einer Gruppe ist, in Wirklichkeit aber vor allem seine eigene, räumt er auf mit der Vorstellung, eine Kindheit in einer 17-köpfigen Großfamilie sei irgendwie idyllisch.
Hans Well, der von sich selbst sagt, er habe durch sein Gerechtigkeitsempfinden und seine Sturheit schließlich nahezu seine gesamte Familie dazu gebracht, nicht gesellschaftlich wie politisch jeden Unsinn fraglos hinzunehmen, outet sich darin einerseits durchaus als Menschenfreund. Aber als einer, der sich freilich durch nichts und niemanden von seinen Überzeugungen abbringen lässt und auch negative Konsequenzen wie Fernsehverbot und Prozessandrohungen in Kauf nimmt. Doch gibt er freimütig zu, dass er auch einer ist, mit dem nicht immer leicht Kirschen essen ist.
Wackersdorf, der „Warsteiner“-Disput, die Biermösl-Zensur beim bayerischen Rundfunk – das alles kommt ebenso vor in diesem persönlichen Rückblick auf eine Karriere neben dem Mainstream, die trotz vieler Umwege über die Alternativszene letztendlich doch auch die Massen erfasste, wie auch die Theaterproduktionen mit Gerhard Polt, schließlich die Kooperationen mit Dieter Hildebrandt, Jörg Hube und den „Toten Hosen“. Entscheidenden Stationen seiner Vita stellt Well eigene Liedtexte quasi als Kommentar, Ergänzung oder Kontrapunkt gegenüber, komplettiert im Gedächtnis gebliebene Bühnenprogramme mit Hintergrundinformationen, veröffentlicht hier erstmals in schriftlicher Form Auszüge aus den Briefwechseln mit seiner „Kundschaft“ und sagt frei von der Leber weg, was er von den Mitgliedern des bayerischen Parlaments – und nicht nur von denen – hält und warum.
Je weiter man sich beim Lesen vortastet, desto deutlicher spürt man, dass Well bei aller Freundlichkeit, die er von der Bühne herunter ausstrahlt, tatsächlich recht unangenehm werden kann, wenn einer seine Kompromissbereitschaft überstrapaziert. Nein, ein Fähnchen im Wind, ein Umfaller oder unsteter Meinungswechsler ist er sicherlich nicht, dieser Hans Well. Und manchmal hat er deutlich spürbar einfach keine Lust, „verbindlich“ zu sein. Man spürt das beim Lesen seiner Zeilen ebenso wie als Zuschauer seiner Bühnenprogramme. Dass er dabei bewusst in Kauf nimmt, dass ihn der ein oder andere sogar aus seinem persönlichen Umfeld nach der Lektüre dieses Buches schräg anschauen wird, versteht sich bei diesem Teil der Well-Familie von selbst.

(von Karl Leitner, Donaukurier vom 24.04.2013)

Augsteins Auslese www.sueddeutsche.de

Verlag Antje Kunstmann